Samstag, 18. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Zwei

In unserem schönen und bequemen Hotelbett haben wir super geschlafen. Die Nacht ist allerdings schon kurz vor 6:00 vorbei, bis 6:30 müssen wir auschecken, um 7:00 sollen die Busse losfahren, denn vor uns liegen insgesamt mehr als 400km mit diversen Zwischenstopps und wir wollen rechtzeitig zum Gottesdienst in Masaka schon ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft haben.
Das Frühstück ist gut, aber ich mache mir Gedanken darüber, ob ich Tee trinken kann und wie viel Ananas ich essen darf, ohne ständig eine Pipipause zu brauchen.
Natürlich fahren wir nicht um Punkt 7:00 los, die Busse sind noch nicht einmal alle da. Wir lernen hier ganz viel Gelassenheit, vor allem die Leiter, die alles so großartig organisiert haben, und das zum 1. Mal! Als es endlich losgeht bestaunen wir die Landschaft und wie die Stadt langsam aber sicher endet. Wir fahren durch kleine und größere Dörfer und über unzählige Speedbumps (zuverlässige Schätzungen belaufen sich auf rund 8000 Stück ;)) Am Straßenrand winken Kinder und freuen sich über drei Busse voller Bazungu. Im Bus ist es eher ruhig, Schlaf wird nachgeholt.

Noch bevor wir am Ziel ankommen hält der Bus. Wir überqueren den Äquator, dort gibt es ein paar Souvenirläden und Toiletten. Außerdem auf beiden Straßenseiten große weiße Kreise, durch die der Äquator hindurch geht. Viele machen Fotos mit diesem Touristenbauwerk, ich ziere mich ein bisschen. Im Nachhinein freue ich mich über die Fotos, in dem Moment vor Ort konnte ich die Besonderheit der Situation, dass wir tatsächlich auf dem Äquator bzw. auf beiden Erdhalbkugeln stehen, gar nicht richtig begreifen. Der Stop ist auch nur kurz und die Busfahrer drängen zur Weiterfahrt.

Als wir in Masaka um kurz vor 10 ankommen und aus dem Bus steigen, werden wir herzlich begrüßt. Als ich der freundlichen jungen Frau, die mir die Hand schüttelt, ein Kompliment zu ihrem hübschen Kleid mache, lässt sie meine Hand gar nicht mehr los. Das ist allerdings nicht ungewöhnlich in Uganda, man geht oft Hand in Hand oder Arm in Arm. Leider erinnere ich mich nicht an den Namen der Frau. Sie ist die Krankenschwester im Compassion Projekt der Full Gospel Church in Masaka und führt mich stolz in ihr Büro, da sie die Kamera holen muss.
Die Kinder haben gerade Kindergottesdienst, als wir ankommen. Ich glaube, die älteren Kinder, die draußen auf Plastikstühlen unter einem Baum sitzen, sind ziemlich abgelenkt von unserer Ankunft. Wir stehen ein paar Minuten im Garten und wissen nicht recht, wie es jetzt weitergeht. So lange bestaunen wir die Bäume bei der Kirche und diskutieren, ob es ein Mango oder ein Avocadobaum ist, wie man Jackfruit am leckersten zubereitet und so weiter. Tommy erzählt von frittierter Jackfruit, die Einheimischen die ich später danach frage haben das allerdings noch nie so zubereitet.
Der Pastor und Leiter des Projekts kommt und erzählt uns einiges über die Arbeit des Projekts. Ich bin irgendwie anders beschäftigt, aber erinnere mich nicht mehr genau wie.
Nach der kurzen Ansprache gehen wir gemeinsam in die große Halle neben der Kirche, wo gerade der Kindergottesdienst für die jüngeren Kinder stattgefunden hat. Alle Stühle sind besetzt mit kleinen neugierig schauenden Kindern. Wir stellen uns ganz vorn auf, ich weiß nicht richtig ob ich den Kindern winken oder zu zwinkern soll und fühle mich ziemlich beobachtet :D die Kinder klatschen für uns, singen uns ein Lied vor und dann geht es auch schon nach nebenan in die Kirche, denn der Gottesdienst hat bereits begonnen.

Unsere Plätze sind die vorderen Bänke, mir gefällt diese Vorzugsbehandlung nicht. Ein bisschen kann ich es aber auch nachvollziehen, wir legen uns schließlich auch ins Zeug, wenn wir Besuch bekommen.
Es gibt nach dem feurigen Lobpreis, wo ich im Gospelchor wieder die Krankenschwester entdecke, einige Zeugnisse. Sie werden auf Englisch übersetzt, aber sind schwer für uns zu verstehen. Durch die Übersetzung und die Verständnisprobleme zieht der Gottesdienst sich ziemlich hin, manch einer kämpft gegen den Schlaf (und manch einer verliert auch ;))
Steve, der Leiter von Compassion Deutschland, der mit uns reist, hält die Predigt. Er fordert uns alle erstmal heraus aufzustehen und tanzend unsere Plätze zu tauschen, sodass in jeder Bank sowohl Weiße als auch Schwarze sitzen. Im Himmel gibt es schließlich auch keine Trennung. Obwohl nicht vom Tanzen sind von dem Gedanken alle begeistert. Ich sitze nun ziemlich weit hinten, genieße den Luftzug von den geöffneten Türen und flirte mit dem Baby auf dem Arm der Frau neben mir. Von der eigentlichen Predigt bekomme ich jetzt nicht mehr viel mit. Am Ende des Gottesdienstes beten wir miteinander in kleinen Gruppen, nehmen uns an den Händen und beten jeder in seiner eigenen Sprache.

Nach dem Gottesdienst spielen wir kurz mit den Kindern, die sich darüber freuen, dass sie endlich näher zu uns kommen dürfen. Von unserer weißen Haut sind sie begeistert und wollen uns überall berühren. Ein Mädchen möchte gern meine Haare berühren, ich öffne meinen Zopf und geh etwas in die Knie. Plötzlich habe ich eine Traube kleiner Mädchen um mich, die mir mehr oder weniger sanft die Haare durchstrubbeln.
Die anderen gehen in einen Nebenraum für einen kleinen Snack (ich wette es gibt Bananen) und Getränke. Ich bleibe draußen bei den Kindern. Wir machen Klatschspiele, streicheln gegenseitig die fremde Haut und genießen ohne viel sprachlichen Austausch unsere nonverbale Kommunikation.

Viel zu schnell müssen wir wieder in die Busse steigen. Ich flitze noch schnell auf die Toilette, man weiß ja nie, wann die nächste Gelegenheit kommt. Zum Glück trage ich ein Kleid, die meisten Toiletten sind hier einfach Löcher im Boden.

Die Fahrt geht weiter. Nach einer Weile biegen wir links ab. Anscheinend sind wir aber noch eine Weile von Kabale, unserem Zielort entfernt. Steve, der in unserem Bus ist, weiß auch nicht wohin wir fahren. Wir entfernen uns immer weiter von der Hauptstraße und fahren durch nichts als Steppe und Staub, vorbei an einer kleinen Kuhherde. Die Kühe, die wir hier häufig sehen, haben riesige! Hörner. Die Kuh mit den größten Hörnern säugt gerade ein Kleines. Ein tolles Bild! Wir kommen an einer Kirche an. Im riesigen Garten sind Zelte mit sehr spitzen weißen Dächern aufgebaut, unter denen viiiiiele Menschen sitzen. Die Kinder unterbrechen ihr Spiel und laufen zu den Bussen. Als ich raus schaue um zu winken, muss ich lachen: I bin a Tiroler steht auf dem T-Shirt eines kleinen Jungen. Die Kleiderspende kam an! 😉 Sowieso sehen wir oft Aufdrucke auf T-Shirts, die wir uns wohl nicht kaufen würden, da sie entweder sehr persönlich oder auf Events oder Städte bezogen sind. Hier ist das aber alles nicht so wichtig. Entspannend, irgendwie :)

Wir werden durch die Obstplantage des Compassion Projekts geführt, probieren frische Mango, (grüne) Orangen und Maracuja. Habt ihr schon mal eine Maracujablüte gesehen? Wow sind das Kunstwerke! Die Kinder lernen hier Verantwortung und den Obstanbau. Wir schauen die Gebäude des Projekts an, immer wieder müssen wir an den Menschen unter den Zelten vorbei, die uns ganz genau beobachten und auch Fotos von uns machen. Irgendwie ist die Situation ein bisschen komisch, weil es nicht zum Austausch und Miteinander kommt. Wir setzen uns am Ende kurz dazu und Ralph erzählt den Kindern, wie Jeesus Farbe ins Leben bringt. Ich bin froh, als wir raus aus der Sonne und rein in die Busse dürfen. Nächster Stop: Bunyonyi Overland Resort in Kabale. Es wird bereits dämmrig und die Sonne geht hier schnell unter. Ich erinnere mich an die Erlebnisberichte, die wir in der Vorbereitung gelesen haben. Alle waren sich einig: im Dunkeln sollte man lieber nicht im Auto/Bus sitzen. Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit, total unbegründet da unsere Busfahrer wirklich super sind. Nur die Speedbumps sieht man nicht mehr so gut. Mitten in Kabale biegen wir links ab (warum eigentlich immer links? Keine Ahnung) und ein 8km Staubberg erstreckt sich vor uns. Irgendjemand fragt aus Spaß, ob das unsere Laufstrecke ist. Tatsächlich ist sie es. Dumm gelaufen 😂 so froh kommen wir um 20:00 an, 2h zu spät. Im Vergleich zum Hotel in Kampala sind die Zelten und Hütte nicht sehr luxuriös, mir gefällt es hier besser, aber viel sehen wir noch nicht im Dunkeln. Wo der Lake Bunyonyi ist können wir nur erahnen. Das wichtigste ist jetzt erstmal das Essen. Wir würden gerne noch ein bisschen zusammen sitzen, aber nach ein paar Minuten verlassen Tobias und ich die anderen. Morgen steht ein tolles Programm auf dem Plan, der schönste Tag für mich, also seid gespannt :)

Love, Anni




 Übrigens: Tut mir leid, dass die Formatierung nicht so schön ist. Ich kriege das nicht richtig hin mit den Fotos... :( Aber ich will auch nicht weniger Fotos in die Berichte rein packen.
Wenn ihr irgendwelche Fragen habt: stellt sie gerne! :)







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