Montag, 20. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Drei

Auch heute ist das Frühstück wirklich früh... es wird gerade hell, als wir zum Frühstück gehen und als wir unsere Cottagetür öffnen sind wir überrascht über den herrlichen Ausblick über den Lake Bunyonyi, denn gestern sind wir im Dunkeln angekommen.
Wir haben wieder eine Busfahrt vor uns. Heute geht es nach Kisoro, wir besuchen ein Compassionprojekt und auch Home Visits sind wieder geplant. Ich freue mich auf den Tag. Leider bin ich nicht ganz sicher, aber meine dass unser Patenkind in Kisoro oder in der Nähe wohnt. Daher bin ich auch etwas aufgeregt, spätestens morgen treffen wir die Kleine.
Die Busfahrt führt uns durch hügelige Teeplantagen, an Gorillawäldern vorbei und natürlich auch über einige Speedbumps. Die Landschaft ist atemberaubend. Uganda ist so grün, zumindest hier im Süden und direkt nach der Regenzeit.
Wir entdecken unser erstes wildes Tier: Paviane hocken gemütlich an der Straße. Leider sind sie die wildesten Tiere, die wir auf dieser Reise sehen werden ;)
Wir fahren an einem UNESCO Flüchtlingslager für Menschen aus dem Kongo vorbei und auch an einer kleinen Landebahn bzw. Schotterpiste, die quer über die Straße geht und bei einer Landung kurzerhand mit einer Schranke abgesperrt wird. Steve ist hier sogar schon mal gelandet!

Haus der Pygmäen im Vordergrund

Irgendwie geht die Zeit vorbei und wir fahren schon länger, als angekündigt. Wir halten an einer Tankstelle, kurze Pipipause, aber wir sind wohl schon in Kisoro und ab hier fährt jeder Bus zu einem anderen Projekt. Auf dem Weg zu dem Projekt Kisoro Hill fahren wir auch an Pygmäenhäusern vorbei, diese Volksgruppe ist für die Ugandern etwas Besonderes. Die Compassion Mitarbeiter aus Uganda erklären uns, dass der Staat Häuser für die Pygmäen gebaut hat, in welchen sie aber nicht wohnen wollen. Daher hausen sie in kleinen (winzigen!), runden Wellblechunterkünften mit Plastikplanenfetzen abgedeckt. Ich glaube nicht, dass Tobias da drin liegen bzw. Stehen könnte. Angeblich benutzen diese Menschen Gummireifen zum Heizen und Kochen und es soll daher ziemlich rauchig und stickig in diesen Häuschen sein... dieser kleine Exkurs wirft zwar einige Fragen bei uns auf, aber die Pygmäen sind nicht der Fokus unserer Reise. Wir sind auch schon fast da, der Bus kann nicht weiter fahren, wir laufen das letzte Stück.
Herzlich werden wir von Pastor George und seinem Team willkommen geheißen, man hat schon auf uns gewartet. Hände schütteln und umarmen, wir sind auch hier "most welcome".


Hier bekommen wir einen richtig tiefen Einblick in die administrative Arbeit von Compassion in Uganda. Wir sehen die Akten der Kinder im Büro, gefüllt mit Briefen, Bildern, Gesundheitschecks, Zeugnissen.... wir sind alle erstaunt über die Sorgfalt und Bürokratie, die für Afrika eigentlich untypisch erscheint.  Tatsächlich sind Compassion Kinder begehrte Arbeitnehmer, da sie im Projekt lernen pünktlich, ehrlich und zuverlässig zu sein.
An den Wänden im Büro hängen überall handgeschriebene Plakate, auf denen die Regeln des Projekts zu lesen sind oder die Auswahlkriterien für die Aufnahme ins Projekt.

Außerdem lernen wir die Arbeit mit den Schwangeren und Müttern kennen, die bis jetzt von Deutschland noch nicht durch Patenschaft finanziert wird. Mütter sollen befähigt werden ihre Kinder zu versorgen und zu erziehen und natürlich beginnt der Schutz der Kinder bereits im Mutterleib.

Wir gehen weiter, durch eine kleine Baustelle. Hier sollen neue Spielräume für die Kleinsten entstehen, wenn ich es noch richtig weiß. Ich erkundige mich, wann die Bauarbeiten voraussichtlich abgeschlossen sein werden und staune nicht schlecht, als ein Mitarbeiter mir in aller Selbstverständlichkeit und Seelenruhe erklärt, dass sie ca. 2022 mit der Fertigstellung rechnen. Immerhin stehen die Mauern schon komplett! Es arbeiten freiwillige Eltern und Gemeindemitglieder an dem Bau, außerdem muss immer erst der nächste Arbeitsschritt durch Spenden finanziert sein. Geduld ist hier wichtig ;)

Wir gehen weiter, an spielenden Kindern vorbei, Alex zeigt uns den großen Holzofen des Projektes und wir schauen kurz in die Küche, in der Hochbetrieb herrscht. Ich bin neugierig und gehe in das fensterlosen Gebäude. Ohne Abzug wird hier auf dem offenen Feuer gekocht, es ist rauchig und stickig. Der Koch ist begeistert über meinen Besuch und erklärt mir alles ganz genau. Nachdem er mir erklärt und gezeigt hat, wie er die Hähnchenmarinade zubereitet, kann ich mich entschuldigen und die Gruppe suchen, die bereits weiter gegangen sind. Nur knapp bin ich wahrscheinlich einer Rauchvergiftung entkommen ;)
Wir gehen in die Versammlungshalle, in der die Kinder schon brav und ruhig und auch gespannt warten. Die Kinder haben eine kleine musikalische Vorführung für uns einstudiert und sie machen es großartig. Ich sitze ganz hinten, ab und zu gesellen sich ein paar kleine Mädchen zu mir, die kichern und sich etwas zu Flüstern und nach kurzer Zeit wieder verschwinden.
Die Aufführung geht in eine spontane Lobpreisparty über, bei der Alex, der Compassionmitarbeiter, sich nicht halten kann und voll von heiligem Geist auf der Bühne auf und ab springt. Er bleibt nicht lang allein, nicht jeder kann sich auf seinem Platz halten. Was für eine Atmosphäre!
Nach dem Spektakel sammeln wir uns draußen, um uns für die Home Visits aufzuteilen. Ich frage beiläufig eine Mitarbeiterin, ob mein Patenkind in diesem Projekt ist und kann kaum glauben, dass sie nur wenige Meter neben mir steht, als ich meine Frage stelle. Ich weiß gar nicht wie ich reagieren soll, weil mir sofort die Tränen kommen. Erstmal lernen wir, dass unsere Mapendo hier eigentlich Dorcus genannt wird. Ich setze mich auf die Stufen, um auf Augenhöhe zu sein. Die sonst so quirligen und Kontaktfreudigen Kinder werden ganz schüchtern, sobald sie erfahren, dass sie ihrem Sponsor gegenüber stehen. Die Kinder in Uganda sind es nicht gewohnt, Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein oder tiefere Fragen gestellt zu bekommen.
Gemeinsam mit einer anderen Gruppe und einem Patenkind fahren wir mit dem Bus los zum Homevisit. Wir gehen gemeinsam erst zur Familie des anderen Patenkindes. Der Bus kann nicht bis zum Haus fahren und hält an der Wasserstelle des Dorfes. Wir gehen noch ein paar Minuten, anscheinend ist es ein ganzes Stück, ich habe aber überhaupt kein Zeitgefühl. Wir gehen Hand in Hand mit Dorcus, tanzen, hüpfen und machen "Engele flieg" mit ihr, was ihr ein Lächeln entlockt.

Als wir bei der ersten Hütte ankommen, denke ich, dass Dorcus auch hier in der Nachbarschaft wohnt, das stimmt jedoch nicht, wir fahren später erst nochmal mit dem Bus zu ihr. Wir werden vom Vater des anderen Kindes ins Haus eingeladen. Es ist ganz anders hier als in dem Zuhause in der Großstadt Kampala. Das Haus ist aus Lehm gebaut und besteht aus einem Wohn- und einem Schlafraum. Die Mutter ist am Morgen ins Krankenhaus gekommen, sie hat Aids. Die große Schwester holt aus dem Schlafraum ihr Neugeborenes, sie selbst ist gerade 17 geworden. Ich traue mich nicht nach dem Vater des Babys zu fragen, alle wirken sehr verletzlich und schutzlos. Wir setzen uns auf die Holzbänkchen im Wohnzimmer, in der Ecke schläft ein Huhn. Der Vater erzählt ein bisschen, er spricht kein Englisch, aber ein paar Brocken Französisch. Die Stimmung ist irgendwie bedrückt, aber Dorcus sitzt auf meinem Schoß und ihr gehört mein größtes Interesse.
Wir beten für die Familie, machen ein Erinnerungsfoto und gehen zurück zum Bus, nun fahren wir zu Dorcus.


Von dem Besuch bei ihr erzähle ich euch in einem nächsten Posting, darauf könnt ihr gespannt sein. Wir sind jedenfalls sehr erfüllt und voller Freudentränen in den Augen weiter zum nächsten Programmpunkt. Wir sind nach den Besuchen bei den Patenkindern zu einem Berg gefahren, der wunderbar kugelrund war. Da sollen wir hoch, wir sind schon die letzte Gruppe, ich bin so geflasht von unserem Besuch bei Dorcus und ich muss auf die Toilette. Außerdem trage ich Flip-Flops. Erstmal tief durchatmen und schnell noch auf dem Weg mit Sonnencreme eincremen. Und einfach hinterher laufen.









In diesem Moment bin ich besonders froh, dass ich gemeinsam mit meinem Musketiermann hier bin, der alle diese emotionalen Momente mit mir teilt und trägt und mich wieder zum nächsten Programmpunkt mitzieht. Oder den Berg hoch schiebt. Als ich die Einheimischen Kinder in Flip-Flops oder barfuß den Berg hoch springen sehe wie kleine Zicklein bekomme ich einen neuen Motivationsschub. Es gibt hier keinen Wanderweg, höchstens einen kleinen Trampelpfad. Oben angekommen hat die Mühe sich gelohnt. Der Ausblick ist unbeschreiblich und kein Bild wird diesem Gefühl von Freiheit gerecht. Der Berg ist ein Vulkan und hat ein Kraterloch oben in der Mitte. Da sollen wor runter, doch ich ahne, dass diese Rutschpartie nichts für mich ist. Mit drei anderen Frauen bleiben wir oben auf dem Rand, interessiert beobachten die Kinder, was wir nun machen. Dabei warten wir einfach nur. Als die Gruppe ach Lobpreis und Input wieder hochkommt, umrunden wir den Krater gemeinsam und beten für Kisoro und den Kids funday, den wir morgen hier für ca. 400 Compassion Kinder organisieren.
Das erste Mal schlafe ich im Bus vor Erschöpfung ein, das heißt ich muss wirklich super Müde gewesen sein. Wieder kommen wir im Dunkeln in unserer Unterkunft an und heute versuchen wir gar nicht erst, besonders lange wach zu bleiben. Sobald wir alle alle Infos haben, die wir für den Spieltag morgen brauchen, verschwinden wir unter die Dusche und ins Bett.

Der Tag war wunderschön aber auch anstrengend, weil er so emotional war. Selbst jetzt nochmal alles aufzuschreiben ist sehr emotional für mich.
Schreibt mir doch gern einen Kommentar, wie ihr meine Berichte findet, was euch noch interessiert, ob ihr erst die weiteren Tage lesen wollt oder über den Besuch bei Dorcus....:)

Love, Anni


Mondaufgang

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