Donnerstag, 23. Juni 2016

Muskathlon in Uganda Tag Vier

Heute war der Kids Funday in Kisoro, wo wir auch gestern schon in den Projekten und in den Homevisits waren. Also wieder 2,5 Stunden Bus pro Weg. Da wir gestern so den Zeitplan gesprengt haben, sind wir heute eine Stunde früher los, um 7:00.
Als wir ankamen waren auch schon einige Kinder da, insgesamt waren es dann 400 Kinder. Alle Kinder aus dem Projekt haben ein rotes Shirt bekommen, auf dem sowohl das Logo von Compassion und dem 4. Musketier drauf ist, hinten steht in großen weißen Buchstaben Jesus Loves Me. Wir wollen den Kindern heute einen sorglosen Tag bereiten und sie feiern! Diese Kinder sind so genial und von Gott geliebt! Das versuchen wir heute, ihnen ein bisschen deutlich zu machen, indem wir sie lieben und mit ihnen spielen. Heute geht es nur um die Kinder!

Wenn man den Kindern gegenüber offen ist hat man schnell an jeder Hand mehrere Kinder.
Dorcus war auch da. Was mich besonders gefreut hat war, dass sie uns erkannt hat und zu Tobi gekommen ist. Und so standen wir zusammen und feuerten die Kinder an, die beim Wettlauf mitliefen, der den Funday eröffnet hat. Heute war Dorcus schon deutlich offener und suchte von sich aus engen Körperkontakt. Es war so schön sie auf dem Arm zu heben und sie an den Händen zu halten. Vielleicht die schönsten Minuten des Tages, ganz intim nur sie und ich, in der Masse der ganzen Kinder und Muzungus.

Die Wettlaufstrecke
Dann wurden die 400 Kinder in 20 20er Gruppen eingeteilt. So eine Geduld und Ruhe erwartet man nicht bei so einer Menge an Kindern, die Einteilung funktionierte problemlos. Auf mein Staunen hin tauschte ich mich mit unserem Muskathlonfreund Markus darüber aus und er sagte etwas, was mich sehr ins Nachdenken brachte. Er sagte nämlich, dass mir solch brave Kinder nicht lieber wären, wenn wir dafür auch die gleichen Umstände, unter denen sie groß werden, in Kauf nehmen müssten. Die Erziehung (und Züchtigung) und das Bild des Kindes sind hier ganz anders als in meinem Umfeld. Aber das ist ein anderes Thema... Zurück zum Funday:
Jede Gruppe ging zu einem Spielfeld, wo zwei Bazungu das Spiel leiteten. Ich war mit Tobias beim Staffel-Weitsprung, die Kinder traten in zwei 20er Gruppen gegeneinander an. Das Spiel fand ich nicht genial, es entwickelte sich nur schwer eine Gruppendynamik wie bei manch anderen Spielen.


Trotzdem war es ein toller Vormittag mit viel Spaß für die meisten Kinder.
Aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille: Ganz problematisch für mich fand ich, dass nur die Kinder aus den Projekten teilnehmen durften. Anders wäre es wahrscheinlich eine schwer vorhersehbare Menge an Kindern gewesen, aber die Kinder am Rand zu sehen, die nicht mitspielen durften, kein Essen bekamen und auch deutlich schmutziger und in kaputten Kleidern da waren brechen einem fast das Herz. Wenn sie dann noch rufen und nach Geld oder Wasser fragen, dann muss man auf Durchzug stellen. Denn nur einem Kind etwas zu geben provoziert Streit und Missgunst, aber für alle reicht es einfach nicht. So viel Wasser, Geschenke etc. kann man gar nicht mitnehmen. Das einzige was man geben kann ist sich selbst, Umarmungen, Hände halten... Und dafür hatte ich eigentlich keine Zeit, ich war ja beim Spiel eingeteilt und so musste ich auch das Angebot ausschlagen, als mich ein Teenie-Mädchen in ihr Haus eingeladen hat.
Zum Essen saßen wir als Gruppe bei den Bussen, das war auch eine extrem komische Situation. Die Kinder aus dem Dorf saßen auf der anderen Wegseite und riefen ab und zu, fragten nach Wasser und Geld. Ich konnte nicht essen, es ging einfach nicht.

Nach dem Essen kam dann aber noch ein sehr schöner Moment, wir hatten nochmal Zeit nur für Dorcus. An diesem Tag haben alle Paten ihr Patenkind getroffen, in der Versammlungshalle standen Stühle bereit und die Patenkinder warteten bereits auf uns. Hier war die Organisation, bzw. das Matching, nicht soooo gut und es gab sogar eine Verwechslung :o
Wir erkannten Dorcus natürlich gleich und gingen sofort zu ihr. Anfangs war sie etwas überfordert, obwohl es draußen gar kein Problem war. Sie ist schnell aufgetaut, aber es hat uns nochmal bestätigt, dass sie es nicht gewohnt ist, der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein. Aber es ist ja verständlich und gar kein Problem, dass sie ein bisschen schüchtern war.
Wir haben ihr ein paar Kleinigkeiten als Geschenk mitgebracht. Ich habe noch nie ein Kind gesehen, dass sich an Buntstiften, einem Radiergummi und einem Spitzer so sehr freut! Oder über einen Taschenrechner! Außerdem hat sie noch ein Einsteck-Fotoalbum bekommen, ein Bibelgeschichtenbuch mit 2000 Stickern, zwei Schreibhefte und ein Büchlein zum Malen und Schreiben und zwei Armbändchen. Eins davon bunt mit Perlen, das andere ist ein Armband, das meine Freundin für uns drei als Freundschaftsarmband geknüpft hat.
Wir hatten einen Übersetzer (ein Mitarbeiter aus ihrem Projekt), da Dorcus noch kaum Englisch spricht. Die älteren Kinder konnten teilweise aber richtig gut Englisch. Ich war erstaunt über das Pädagogische Wissen des Projektmitarbeiters. Er konnte uns viel über die Kinder und deren Verhalten in den Projekten erklären.







Es wird auf jeden Fall noch einen Blogpost über Besuche bei Compassion Patenkindern geben, was man schenken und mitbringen kann etc. Wenn ihr Fragen dazu habt, schreibt sie mir doch in die Kommentare, dann kann ich die direkt beantworten.

Wieder im Hotel angekommen hatten wir dann noch ein kleines Training, Tobi und ich sind ungefähr einen Kilometer gewandert, da reißt doch tatsächlich mein Schnürsenkel! Zum Glück war er noch lang genug, dass ich den Schuh immer noch binden konnte. Sonst macht die Strecke einen ziemlich staubigen und unebenen Eindruck. Aber wir sind ein bisschen beruhigt, das wird schon :)

Love, Anni


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