Samstag, 22. September 2018

Muskathlon: Kinderherzen

Unser letzter Muskathlon ist nun fast ein Jahr her, letzten Oktober waren wir mit einem internationalen Muskathlonteam in Indonesien.
Und da wir danach nur einen Monat zum Wohnung auflösen und Packen hatten, bevor unser Auslandsjahr anstand, habe ich hier gar nicht viel über den Muskathlon geteilt.
Muskathlon, das ist ein extremes Sportevent vor Ort im Kampf gegen extreme Armut oder extreme Ungerechtigkeit, eingebettet in einer Woche Programm, in der man die Partnerorganisation, in unserem Fall Compassion, kennenlernt.

Im nächsten Jahr steht ein deutscher Muskathlon mit Compassion in Kenia an und mit einem neuen Partner, GlowbalAct in Israel (gegen Menschenhandel).
Auf den Kenia-Muskathlon hätte ich große Lust, aber dann habe ich ein 5 Monate altes Baby und das ist wohl nicht die beste Idee, mit einem Säugling am Muskathlon teilzunehmen.
Aber vielleicht kann ich DICH ja dafür begeistern :)

Ich will dir erzählen, was mich begeistert, vielleicht kann ich dich dadurch anstecken.
Was mir nämlich schon in Uganda aufgefallen ist, hat sich in Indonesien in einer ganz besonderen Situation nochmal bestätigt. Es geht weder um den Lauf, noch um das Geld, sondern es geht nur um eines:
um die Herzen der Kinder

Am 1. Tag des Muskathlons besuchten wir ein Kinderzentrum auf Bali. Dort teilten wir uns nach einem kurzen Empfang in Gruppen auf und begleiteten ein Kind nach Hause.
Ich ging in meiner Gruppe mit einem Mädchen nach Hause:
ein kleiner, dunkler Raum ist das Wohn- und Schlafzimmer, ein Bad. Dann gibt einen ein Meter breiten und zwei Meter langen Flurraum, der wieder aus der Hintertür nach draußen führt. Hier gibt es einen kleinen Gaskocher (gekocht wird mit Kerosin, das ist teurer, aber sicherer). Das ist die Küche.
Wir lernen uns ein bisschen kennen, mit Hilfe eines Übersetzers können wir Fragen stellen. Ich sitze mit meiner vierköpfigen Gruppe auf dem Boden und versuche mit dem kleinen Bruder des Mädchens Kontakt aufzunehmen. Er ist sehr schüchtern, aber je mehr Zeit wir miteinander verbringen, desto näher kommt er. Er ist vier Jahre alt und hat die Größe eines Zweijährigen. Aber den Schelm eines Vierjährigen, wie ich schnell merke, als er mehr und mehr auftaut.
Und so sitzen wir in dem dunklen Wohnzimmer, Licht kommt nur durch die geöffnete Tür in das Haus. Wir helfen der Mama bei ihrer Arbeit: Süßigkeiten aus einem großen Beutel in kleinere Beutel umpacken und mithilfe einer Kerzenflamme das Tütchen zuschweißen. Ich zähle in meinem besten indonesisch:
satu, dua, tiga, empat, lima, und so weiter. Immer 10 Stück. Meine Indonesisch-Versuche amüsieren die beiden Kinder köstlich.
Ich gebe meinen Abzähl-Löffel weiter, jemand anderes darf helfen und ich gehe zurück in meine Ecke, um meine nonverbalen Freundschaftsanbahnungen wieder aufzunehmen. Diesmal bin ich erfolgreicher, das Eis ist gebrochen. Der Kleine lacht mit mir, umarmt mich, sitzt auf meinem Schoß. Erzählt mir Geschichten, die ich nicht verstehe.
Und ich weiß: darum geht es. Um sein Herz, um sein Lachen. Um diesen kleinen Jungen in diesem Moment.

Ich kann die Welt nicht retten. Ich kann keinen großen Unterschied machen. Alles, was ich machen kann, ist diesem kleinen Jungen genau jetzt meine Liebe zu geben.

Und vielleicht ist das alles, was es gerade braucht.

love, anni

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